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Bio­lo­gi­sche Ab­bau­bar­keit als Kreis­lauf­pfad für un­ver­meid­ba­re Ma­te­rial­ver­lus­te

Nicht alle Materialien und Materialbestandteile lassen sich nach ihrer Nutzung in technische Kreisläufe zurückführen. Manche Materialverluste lassen sich technisch nicht zurückgewinnen – etwa Fasern, die sich beim Tragen oder Waschen lösen. Für diese Materialströme stellt die biologische Abbaubarkeit einen wichtigen ergänzenden Kreislaufpfad dar.

Biologische Abbaubarkeitstests (Biodegradation) ermöglichen die Bewertung, wie sich Materialien unter definierten Umweltbedingungen, beispielsweise in Boden- oder Abwassersystemen, zersetzen und ob dabei potenziell kritische Rückstände verbleiben. Die gewonnenen Daten schaffen Transparenz über das Verhalten von Materialien außerhalb technischer Kreisläufe und unterstützen die Entwicklung zirkulärer Materialstrategien.

Wa­rum ist bio­lo­gi­sche Ab­bau­bar­keit wich­tig?

  • Umweltgefahren/Auswirkungen von Materialverlusten während Nutzung und Pflege besser verstehen,
  • potenzielle Auswirkungen von Rückständen in Boden- und Wassersystemen bewerten,
  • biologische und technische Kreislaufstrategien gezielt miteinander kombinieren,
  • Anforderungen künftiger regulatorischer Rahmenbedingungen adressieren und
  • die Kreislauffähigkeit von Materialien ganzheitlich betrachten.

Damit ergänzt die biologische Abbaubarkeit etablierte Strategien der Wiederverwendung, Reparatur und des Recyclings und bietet insbesondere für nicht rückgewinnbare Materialverluste einen zusätzlichen Weg zur Integration in zirkuläre Stoffkreisläufe.

Was wir testen

Pro­dukt- und Um­welt­ver­träg­lich­keits­prü­fun­gen

  • Ausmaß und Geschwindigkeit des biologischen Abbaus von verschiedenen Materialien
  • Freisetzung und Auswirkungen von Rückständen während des Abbaus
  • Ökotoxikologische Unbedenklichkeit für im Boden und in Gewässer lebende Organismen

Zu den Anwendungsbereichen zählen Bekleidung, Heimtextilien, technische Textilien und Materialien, die in Konsumgütern verwendet werden sowie Detergenzien wie z. B. Waschmittel.

Wie wir testen

Kon­trol­lier­te Be­din­gun­gen für den bio­lo­gi­schen Abbau

Wir konzipieren Tests zur biologischen Abbaubarkeit, um zuverlässige, vergleichbare und praxisrelevante Ergebnisse zu liefern.

Simulation realer Bedingungen

Wir führen die Tests unter kontrollierten Laborumgebungen durch, die natürliche Bedingungen wie Boden- oder Gewässersysteme widerspiegeln. So können wir das Verhalten von Materialien in den entsprechenden Umweltkompartimenten (z. B. Umweltbereiche wie Boden oder Gewässer) bewerten und gleichzeitig die für aussagekräftige Vergleiche erforderliche Konsistenz gewährleisten.

Standardisierte und reproduzierbare Methoden

Die Tests werden unter definierten Bedingungen durchgeführt, um Folgendes sicherzustellen:

  • Reproduzierbarkeit
  • Zuverlässige Daten für die Produktentwicklung und die Überprüfung von Angaben
  • Vergleichbarkeit zwischen Materialien, Produkten und Entwicklungsstadien

Zeitbasierte Bewertung des Materialverhaltens

Ein zeitbasierter Ansatz liefert ein vollständigeres Bild als Einzelmessungen. Dazu gehört die Überwachung von Veränderungen in:

  • Materialstruktur
  • Massenverlust
  • Fortschritt des Abbaus

Bewertung über den Abbau hinaus

Biologische Abbaubarkeit allein reicht nicht aus. Wir bewerten auch, ob der Abbau zu umweltverträglichen Ergebnissen führt, einschließlich:

  • Analyse der Rückstände nach dem Abbau
  • Bewertung potenzieller Umweltauswirkungen für im Boden und in Gewässer lebende Organismen

Zuverlässige und vergleichbare Ergebnisse

Das Ergebnis sind klare, wissenschaftlich fundierte Daten, die Folgendes unterstützen:

  • Entscheidungen im Rahmen der Produktentwicklung
  • Materialauswahl
  • Kommunikation mit Aufsichtsbehörden und Kunden
Anwendung

Bio­lo­gi­sche Ab­bau­bar­keits­tests wer­den in den Be­rei­chen Be­schaf­fung, Pro­dukt­ent­wick­lung, Über­prü­fung von An­ga­ben, Qua­li­täts­si­che­rung und Ini­tia­ti­ven zur Kreis­lauf­wirt­schaft ein­ge­setzt

  • Objektive Messung der biologischen Abbaubarkeit im Boden und Abwasser
  • Überprüfung von Angaben auf Produkten
  • Datenbasierte Produktoptimierung und Beschaffung
  • Ermittlung des Umwelteinflusses eines Produkts
  • Qualitätssicherung auf der Grundlage ökotoxikologischer Untersuchungen 

Nach­weise für die bio­lo­gi­sche Ab­bau­bar­keit

Hohenstein kombiniert standardisierte Methoden mit anwendungsspezifischen Ansätzen zur Bewertung des biologischen Abbaus und der Auswirkungen der verbleibenden Rückstände (nach Abbau).

Rechts­sicher wer­ben – Nach­wei­se statt pau­scha­ler Aus­sa­gen

Ab dem 27. September 2026 dürfen Aussagen wie "biologisch abbaubar" nur noch mit belastbaren Nachweisen beworben werden (EmpCo-Richtlinie). Mit unseren akkreditierten Prüfungen machen Sie Ihre Umweltaussagen rechtssicher und nachvollziehbar.

Wel­che Prü­fung passt zu mei­nem Pro­dukt?

Produkt / Material Umweltmedium Passendes Verfahren
Textiler Faseraustrag Abwasser / Erde DIN SPEC 4872 / DIN SPEC 19296
Kunststoffe & Materialien anderen Ursprungs Abwasser / Erde DIN EN ISO 14851 / DIN EN ISO 17556
Chemikalilen, Wasch- & Reinigungsmittel Abwasser OECD 301 F
Textiles Flächenmaterial Erde Erdeingrabetest (Hohenstein Methode)
In Erde

Hohenstein Methode – in Erde

Beurteilung des Abbauverhaltens von textilen Materialien und der ökotoxikologischen Auswirkungen von deren Rückständen unter natürlichen, aeroben Bodenbedingungen in Anlehnung an die Methoden DIN EN ISO 846 und DIN EN ISO 11721.

  • Typischer Zeitrahmen:
    Mindestens 3 Monate bis zu 1 Jahr, je nach Material und Umfang
     
  • Wir führen die Tests unter definierten Laborbedingungen durch, wobei die Inkubation in standardisierten Prüfbehältern unter konstanten klimatischen, naturnahen Bedingungen (25 °C ± 1 °C) erfolgt.
  • Wir prüfen in standardisierter Versuchserde unter aeroben Bedingungen, wobei die biologische Aktivität anhand einer Referenzprobe überwacht wird.
  • Die Probenahme und Probenreinigung erfolgt nach drei definierten Ausgrabungsterminen (diese können je nach Produkt unterschiedlich festgelegt werden).
  • Die Auswertung der Versuche erfolgt nach vorgegebener Prüfdauer über die Abbaurate der Prüfmuster anhand einer quantitativen Bewertung des Probenmaterials durch Bestimmung des Massenverlustes.
  • Weiterhin überprüfen wir die Umweltbelastung durch die Abbauprodukte anhand ökotoxikologischer Untersuchungen und können diese optional durch chemische Analysen ergänzen.

DIN EN ISO 17556 – in Erde

Bestimmung der vollständigen aeroben Bioabbaubarkeit von Materialien im Boden durch Messung des Sauerstoffbedarfs in einem Respirometer oder der Menge des entstandenen Kohlendioxids.

Die DIN EN ISO 17556 nutzt ein geschlossenes Respirometer-Verfahren zur Beurteilung des biologischen Abbaus in Erde bei 25 °C.

Ein geschlossenes Respirometer misst, wie viel Sauerstoff Mikroorganismen verbrauchen, um ein Material in Erde abzubauen, und ermöglicht so unter kontrollierten Bedingungen eine präzise Berechnung seiner biologischen Abbaubarkeit.

  • Typischer Zeitrahmen:
    In der Regel 6 Monate
     
In Abwasser

DIN EN ISO 14851 – in Ab­was­ser

Bestimmung der vollständigen aeroben biologischen Abbaubarkeit von Materialien in wässrigem Medium – Verfahren durch Messung des Sauerstoffverbrauchs in einem geschlossenen Respirometer.

Die DIN EN ISO 14851 nutzt ein geschlossenes Respirometer-Verfahren zur Beurteilung des biologischen Abbaus in wässrigen Umgebungen bei 25 °C, wie beispielsweise unter Abwasserbehandlungsbedingungen.

Ein geschlossenes Respirometer misst, wie viel Sauerstoff Mikroorganismen verbrauchen, um ein Material in wässrigem Medium abzubauen, und ermöglicht so unter kontrollierten Bedingungen eine präzise Berechnung seiner biologischen Abbaubarkeit.

  • Typischer Zeitrahmen:
    In der Regel 2–3 Monate
     
DIN SPEC

DIN SPEC 4872

Die DIN SPEC 4872 ist ein standardisiertes Prüfverfahren zur Ermittlung und Klassifizierung der Umweltbelastung von Textilien beim Waschen. Mit der Prüfmethode wird untersucht, wie viele Fasern beim Waschen von Textilien ausgetragen werden, wie gut sich diese Fasern im Abwasser abbauen und wie schädlich die Faserrückstände für die Umwelt sind.

Nach abgeschlossenem Testablauf vergeben wir als Resultat einen Klassifizierungscode, der den Grad des Faseraustrags, die biologische Abbaurate und das ökotoxikologische Potenzial des untersuchten textilen Produkts widerspiegelt.

  • Typischer Zeitrahmen:
    In der Regel 3 Monate

DIN SPEC 19296

DIN SPEC 19296 ist ein standardisiertes Prüfverfahren zur Bewertung der biologischen Abbaubarkeit und Ökotoxizität von Textilfasern und -fragmenten im Boden. Das Verfahren bewertet, wie sich Textilfragmente unter definierten Boden- und Klimabedingungen zersetzen und ob die Zersetzungsrückstände Pflanzen oder Bodenorganismen beeinträchtigen.

Durch die Kombination biologischer Abbaubarkeitstests mit einer ökotoxikologischen Bewertung bietet DIN SPEC 19296 eine ganzheitliche Grundlage für den Vergleich von Textilmaterialien und die Validierung von Umweltangaben.

  • Typischer Zeitrahmen:
    In der Regel 7 Monate
Biodegradation von Chemikalien

Prü­fung der Bio­de­gra­da­tion von Che­mi­ka­lien ge­mäß OECD 301 F

Dieses Prüfverfahren kann für lösliche und unlösliche Chemikalien wie Wasch- und Reinigungsmittel, Industriechemikalien (gemäß REACH-Verordnung und Detergenzien-Verordnung) und Kosmetika angewendet werden. Es erfasst die Geschwindigkeit und den Grad des biologischen Abbaus bei 22 °C innerhalb von 28 Tagen in einem Respirometer-System und klassifiziert darüber hinaus die inhärente und persistente (d. h. schwere) biologische Abbaubarkeit.

Um den Test nach OECD 301 F zu bestehen, muss die Chemikalie innerhalb von 10 Tagen zu mindestens 60 % biologisch abgebaut werden. Dann gilt sie als leicht biologisch abbaubar.

Die Methode prüft Anforderungen verschiedener Zertifizierungen, z. B. des EU Ecolabels, und kann im REACH-Kontext als Nachweis der biologischen Abbaubarkeit zur Abgrenzung von Mikroplastik herangezogen werden.

Informationen, die wir für die Prüfung benötigen:

  • Name und Summenformel der chemischen Substanz
  • Charakteristische Eigenschaften wie Wasserlöslichkeit, Dampfdruck usw.
  • Sicherheitshinweise
     

Wir prü­fen auch Wasch­mit­tel für Sie

Ökotoxizität

Öko­to­xi­ko­lo­gi­sche Be­wer­tung nach dem bio­lo­gi­schen Ab­bau

In Er­de

  • OECD 207 (Regenwurmtest)
    Bewertet die Auswirkungen von Materialien und deren Abbauprodukten auf Bodenorganismen
  • OECD 208 (Kressetest)
    Bewertet die Auswirkungen von Materialien und deren Abbauprodukten auf das Pflanzenwachstum
  • Dauer:
    ca. 2 Wochen (nach biologischem Abbaubarkeitstest in Erde)
     

In wäss­ri­gem Mi­lieu

  • ISO 20079 (Wasserlinsen-Test)
    Bewertet die Auswirkungen von Materialien und deren Abbauprodukten auf Wasserpflanzen
  • Dauer:
    ca. 2 Wochen (nach biologischem Abbaubarkeitstest in Abwasser)